5. – 10. Schuljahr

Thomas Raith

Dont switch off your phones!

Bring your own device (BYOD) im Unterricht

Schule soll digitaler werden so zumindest der Wunsch vieler Länder. Einige Schulen setzen diese Vorgabe bereits um, andere warten noch auf die nötige technische Ausstattung. In der Zwischenzeit liegt die Lösung bereits in den Taschen der Jugendlichen: Fast alle Lernenden haben ein Smartphone dabei, welches sich gewinnbringend in den Unterricht einbeziehen lässt.

Für Jugendliche heute ist das Smartphone zu einem selbstverständlichen Begleiter geworden, mit dem sie kommunizieren und eine Vielzahl alltäglicher Aufgaben erledigen. Laut der JIM-Studie 2018 zur Mediennutzung Jugendlicher besitzen 95% Prozent der 12 –13-Jährigen und 97% der Jugendlichen ab 14 Jahren ein eigenes Smartphone. In der Schule wird der Gebrauch von Smartphones meist kritisch gesehen und die Schulordnung sieht in der Regel nur eine eingeschränkte Nutzung vor, wenn diese nicht sogar ganz verboten ist. Diese restriktive Haltung ist einerseits nachvollziehbar, wenn man berücksichtigt, dass der Schulhof schnell zum Tatort von Cybermobbing werden kann und dass die Schule die Verantwortung hat, ihre Schülerinnen und Schüler zu schützen. Auf der anderen Seite bieten sich für den Unterricht vielfältige Möglichkeiten des Lernens mit digitalen Medien, wenn man Smartphones didaktisch sinnvoll in den Unterricht einbezieht.
Bring your own device Smartphones im Klassenraum
Der Ansatz Bring you own device (BYOD) steht für diesen positiven Zugang zur Nutzung „privater mobiler digitaler Endgeräte im Unterricht. BYOD bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones oder Tablets bzw. Notebooks mit in den Unterricht bringen und dass diese durch die Lehrkraft didaktisch in die Lehr- und Lernprozesse eingebunden werden. Manche Schulen stellen Endgeräte für jede Schülerin und jeden Schüler einer Klasse zur Verfügung; das ist aber bisher die Ausnahme.
Das besondere Potenzial von BYOD liegt darin, dass der Einsatz produktiver Medien viel einfacher und spontaner möglich ist, als das mit Geräten der Fall ist, die man entweder erst ausleihen und an die Schülerinnen und Schüler verteilen oder für die man zunächst den Raum wechseln muss. Die Schülerinnen und Schüler haben alles, was für einen produktiven Fremdsprachenunterricht notwendig ist, schon in der Tasche.
Foto-, Audio- und Videoaufnahmen sowie das Schreiben und Teilen von Texten gehören zu den Basisfunktionen von Smartphones. Die Schülerinnen und Schüler nutzen sie täglich. Für den Fremdsprachenunterricht bieten diese einfachen Funktionen vielfältige Möglichkeiten, das Lernen der Sprache zu fördern, die auch in der Mediendidaktik nicht neu sind. Schon vor der Nutzung digitaler Medien gab es produktive Ansätze, mit Foto und Video zu arbeiten, z.B.:
  • kurze Videosequenzen drehen und dazu ein Script erstellen (note taking)
  • Momentaufnahmen festhalten und beschreiben (speaking, writing)
  • Arbeitsergebnisse dokumentieren (speaking, writing)
  • Texte aufnehmen und verbessern (pronunciation)
  • Videos anschauen (viewing)
  • Informationen recherchieren (research)
  • Wörter und ihre korrekte Aussprache nachschlagen (vocabulary)
  • Vokabelkarteien führen (vocabulary)
  • mit Chatnachrichten Dialoge oder kurze Gedichte verfassen (creative writing)
  • Podcasts anhören oder erstellen (listening, speaking)
Solange die Klassenzimmer noch nicht für jede Schülerin und jeden Schüler mit mobilen Endgeräten ausgestattet sind, ist BYOD ein Ansatz, mit dem die Medien-Lücke überbrückt und das im Klassenzimmer bereits vorhandene Medienpotenzial unmittelbar genutzt werden kann.
Kritische Mediennutzung
BYOD bietet neben der produktiven Nutzung digitaler Medien auch die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler einen verantwortlichen und kritischen Umgang mit ihren Smartphones lernen. So kann im Unterricht unter anderem reflektiert werden, welche Internetquellen vertrauenswürdig sind oder welche Daten von Apps gesammelt werden. Für die...

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